Să ne rock!

România pentru un an- Rumänien für ein Jahr!

Mirrors on the ceiling, the pink champagne on ice, and she said "We're all just prisoners here of or own device..."

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Donnerstag, 7. Januar 2010

Die Liebe liebt das Wandern - Gott hat sie so gemacht ... (aus "Winterreise" von Franz Schubert)

Ich glaube kaum, dass irgendwer meine Monstereinträge noch ernsthaft liest, aber das Problem ist halt, dass ich immer mehrere ereignisreiche Wochen zusammen festhalten muss... Ich werd mal versuchen, mich ein bisschen kürzer zu fassen. Fotos gucken reicht auch eigentlich ;P

6 Tage bzw. Nächte ohne nennenswerten Schlaf lagen zwischen meiner "Herbst-" und meiner "Winterreise". Denn die anderen hatten umgeplant- Wien stand auf dem Programm, noch vor Budapest. Also losgetrampt am 15., auf nach Cluj, von wo aus wir den Bus nehmen würden. Ziemlich schnell hielt ein LKW, ich stieg mit Cato ein. Der Fahrer brachte uns fast bis nach Cluj, es schneite tierisch, wir musste öfter anhalten und auf Räumung warten. Im kniehohen Schnee fanden wir zum Glück schnell ein Auto nach Cluj von Turda, wo uns der Fahrer gelassen hatte, ein Bier mit den anderen, die unverschämterweise mit einem Auto direkt bis Cluj gekommen waren, und ab nach Budapest. Dort wartete schon der Bus zum Umsteigen nach Wien, aber wie sich herausstellte, hatte ich mein Ticket auf den falschen Tag gebucht, Mist, aber glücklicherweise kamen ein paar Fahrgäste nicht. Stress um 7 Uhr morgens, wieder keinen Schlaf gehabt die ganze Nacht, meine Nerven litten. In den paar Stunden bis Wien konnte ich die Augen auch nicht zumachen, weil mein Sitznachbar sehr redebedürftig war. Wir bekamen eine Einladung nach Satu Mare, im Norden Rumäniens, super, aber ich fühlte mich wie ein Fischstäbchen, als wir in Österreichs Hauptstadt ankamen, kalt, irgednwie leblos und leer. Schlafmangel kann einen echt fertig machen.
Wir trafen Pedro und Asiye, die schon vorher nach Wien gekommen waren, und Ian, ein Freund von Asiye aus Istanbul, der in Wien Erasmusstudent ist, zeigte uns ein bisschen die Stadt.
Gemeinsam mit ihm fuhr ich in ein Einkaufszentrum und kaufte in einem Sportgeschäft neue Backpacker für Ayca und mich; wir hatten uns in Rumänien welche für 50 Lei gekauft (ca.13 Euro), die noch auf dem Weg nach Cluj gerissen waren, komplett). Mit neuen Rucksäcken und dadurch besserer Stimmung gingen wir auf den Weihnachtsmarkt und ich gab gebrannte Mandeln aus, die keiner der 4 TürkInnen kannte.
In einem unglaublich teuren und unfreundlichen Café versuchten wir, mithilfe von Facebook einen Schlafplatz zu finden. Eine EVSlerin, die Sonja kannte, Mailys aus Frankreich, bot uns schließlich ihren Fußboden an, super nett von ihr. Wir besuchten ihre kleine Wohnung und sie lud uns zu einem Abend mit ihren Freunden ein, ich hatte super Lust, aber Cato, Ayca und Arzu würden nur bis zum nächsten Morgen bleiben, deshalb wollten sie lieber Wiens Nachtleben kennen lernen. Wir zogen also los, fanden die "Salzbar" im Barviertel am Schwedenplatz, wo bis 22:00 Happy Hour war, alles zum halben Preis, will sagen, zu normalen Preisen die ein geistig gesunder Mensch bereit ist zu zahlen. Nach Rumänien waren die Preise einfach unglaublich- unter 3 Euro für ein kleines Bier, beinahe unmöglich zu finden! Wir zahlen hier 1 Euro für ein großes, und selbst in Deutschland würde man diese Preise als unverschämt bezeichnen!
Später fanden wir einen Irish Pub mit Bier zu 2 Euro pro 0,5, damit konnten wir leben. Der Schlafmangel forderte seinen Tribut, Arzu und ich schliefen nach ein paar Guiness friendlich am Tisch ein.
Wir verabredeten mit Mailys, dass wir später kämen, sie war nicht so begeistert, weil sie am nächsten Tag arbeiten musste, ich auch nicht, weil ich müüüüde war, aber ich beugte mich der Mehrheit. Um halb 4 schließlich standen wir vor der Tür, die Klingel reagierte nicht, ein Passant lieh uns sein Handy, wir erreichten sie nicht. Schlißelich riefen wir von einer Telefonzelle aus Ian an, der sie schleißlich erreichte. 2 Stunden Schlaf hatten wir, dann brachten wir die anderen zum Bus nach Budapest und trafen Asiye wieder, die mit Pedro bei Ian im Wohnheim geschlafen hatte.
Zu dritt setzten wir uns in den McDonald's, wo wir Wireless Lan hatten, versuchten, die Weiterreise zu organisieren, weil die beiden unbedingt nach Spanien wollten, checkten Mails und vertrödelten den ganzen Vormittag im Mcces. Ich fühlte mich wie ein Zombie.
Wir trafen Ian, der uns den Wiener Prater zeigte, eine Art Freizeitpark, zu dieser Jahreszeit menschenleer und deshalb ziemlich gruselig.

So sieht ein Taxi in Wien aus- wenn man sich's leisten kann!

Abends wollten wir in die Oper, der Vogelhändler, für 2 Euro bekamen wir Stehplätze. Der Mann an der Garderobe forderte uns auf, unsere Sachen abzugeben, und zwar einzeln, weil er an seinem Job hinge... Die Leute sind in Wien einem krassen Kontrollwahn ausgesetzt, überall sind Kameras, jeder bangt um seinen Job, wenn er sich nicht an die Regeln hält. Sogar in einem kleinen Dönerstand wurde der Verkäufer via Kamera beobachtet.
Das Stück war nicht so berauschend, eine Operette, teils mit tiroler Dialekt, ich verstand kein Wort und war dankbar für die englischen Obertitel. Eine krass geschminkte Kontrolleurin "erwischte" uns dabei, wie wir uns auf unbesetzte Plätze setzten und drohte uns mit Rauswurf; Clémence erzählte, in Paris werden einem die Plätze sogar gezeigt, wenn man einen Stehplatz gebucht hatte.
Nun ja, Wien gefiel mir einfach nicht besonders. Irgednwie kalt, nicht nur wegen des Wetters. Die Kameras, Totenstille in bevölkerten U-Bahn Stationen, dieser krasse Zwang, sich bloß an die Regeln zu halten (selbst auf der Rolltreppe stand niemand links)... Außerdem einfach unglaublich teuer und dekadent. In der Oper waren nur allerfeinste Leute, aufgebitcht bis zum Geht-nicht-mehr, Champagner trinken in der Pause. Für die waren wir total "kurios" mit unseren Rucksäcken und normalen Klamotten. Ich sprach nur Englisch in der Zeit, es sei denn, jemand fragte mich, wo ich herkam. In der Oper sagte ich "Rumänien" und diese verständnisvollen Blicke hätte ich denen am liebsten aus dem Gesicht geschrien!
Wir lebten wirklich nicht besonders luxeriös in dieser Stadt- aßen grundsätzlich nur an Imbissen, tranken in Happy-Hour-Bars und schliefen auf dem Boden von Ians Wohnheimzimmer. In der Nacht nach der Oper bekamen wir tatsächlich Schlaf, ich fühlte mich wie neu anschließend.
Wir trafen auch nette Leute; auf einem Weihnachtsmarkt durften wir Käse probieren und ein netter Italiener tauschte teures Gebäck gegen billige rumänische Zigaretten.
Am letzten Abend war eine Erasmusparty geplant, wir waren vorher in der Salzbar, ich zeigte den anderen Weizenbier, das sie noch nie getrunken hatten; trotzdem war ich die einzige, deren Glas beim Einschenken voller Schaum war, ähem...
Plötzlich rief Papa an und erzählte, er sei auch in Wien, auf einer Weihnachtsfeier. Wir fuhren mit der S-Bahn hin, Wiedersehen, verrückt! Und plötzlich standen wir auf der richtigen Seite des Luxus: Teurer Rotwein, Grappa aus Italien, frisch gezapftes Bier, für die anderen Schnitzelbrötchen als einziger Rest des Buffets- wir genossen.
Und übertrieben. Ich, die ich seit 7 Wochen keine Auszeit gehabt hatte, schlief auf der Erasmusparty sofort auf einem Sessel ein, verpasste aber wohl nichts.
Am nächsten Morgen wieder früh raus, Abschied von Ian, der wirklich sehr nett und gastfreundlich gewesen war, und nahmen den Bus nach Budapest. Dort wurden wir abgeholt von unseren Couchsurfing-Host Maté und seinem Freund, der für die erste Nacht einsprang und uns netterweise aufnahm. Wir frühstückten, luden unsere Sachen ab und gingen ein bisschen raus. Es war schon dunkel, später Nachmittag, und der Schnee peitschte uns ins Gesicht. Es war eiskalt.

Zwischen Buda und Pest

Nach ein paar Stunden, in denen wir an den Brücken entlang wanderten, die die beiden teile Buda und Pest verbinden, fanden wir den Weihnachtsmarkt im Stadtzentrum. Wir fanden einen Stand mit ungarischen Spezialitäten, wo wir unser Abendessen einzunehmen gedachten.
In einer großen Pfanne wurde etwas gekocht, das aussah wie Gnocchi, also Nudeln, oder sowas aus Kartoffeln. Sah lecker aus, ich fragte, was das denn sei, um sicherzugehen, dass kein Fleisch drin war. "Testicles", sagte die Verkäuferin emotionslos, sodass ich schon dachte, ich hätte mich verhört. Aber tatsächlich hatten wir hier eine ungarische Spezialität vor uns, Hahnhoden, meine Güte! Wir entschieden uns schließlich für Sauerkraut und Bratkartoffeln, dazu leckeres, frisches Brot.


Da es aber ziemlich kalt war, entschieden wir uns, das Essen bei Burger King zu uns zu nehmen. Natürlich wurden die recht bald auf uns aufmerksam. Netterweise durften wir aber bleiben, solange wir nur einen Kaffee tranken oder irgendwas. Die anderen Gäste beobachteten uns etwas verstört, wir ließen uns nicht stören.
Abends ging einer der Mitbewohner unseres Hosts, Adam, mit uns in eine alternative Kneipe, ein bisschen wie ein Jugendkeller für Studenten und Leute um die 30, ziemlich cool. Wir tranken Bier und probierten Palinka, sowas wie Obstler, gibts aus Himbeeren, Pflaumen, Birnen, etc. Ich musste mich fast übergeben, das Zeug war mindestens so stark wie Obstler und als gutes Mädchen vom Dorf hatte ich den Shot natürlich in eins getrunken. Ich blieb dann bei Bier.
Adam ging vor uns, sagte, wir sollen einfach klingeln. Machten wir, außerdem klopften wir, schrien seinen Namen durch die geöffnete Tür (leider wurden wir durch ein Gitter davon getrennt), wir waren vielleicht 10 Meter von ihm entfernt und schrien schließlich seinen Namen, rüttelten am Gitter und machten einen Riesen-Terror, aber obwohl wir ihn gleichmäßig schnarchen hörten, wurde er einfach nicht wach. Ein Nachbar lud uns schließlich zu sich ein, wir bekamen Tee trotz nächtlicher Ruhestörung und unterhielten uns via google translator. Er sagte, er sei Jude und zwar nicht so ein scheinheiliger, er sei ein religiöser Mensch und würde deshalb Menschen in der Not selbstverständlich helfen. Als wir ihn am nächsten Morgen trafen, gab er uns sogar seine Nummer und bot uns an, uns herumzufahren.
Schließlich riefen wir nach weiteren erfolglosen Versuchen, Adam aufzuwecken, unseren Host an, der bei seiner Freundin war und uns freundlicherweise aufschloss.
Am nächsten Mittag zogen wir zu Maté um, der uns mit Infos und einem Stadtplan versorgte. Sonja sollte an diesem Tag ankommen, wir gingen zum Bahnhof, warteten, sie kam nicht, Schneechaos, der Zug hatte Verspätung, mindestens 3 Stunden. Wir gingen in ein Café, tranken Kaffee und legten unsere Schuhe auf die Heizung.
Nach etwa 2 Stunden beschlossen wir, uns den Stadtpark anzusehen; als wir ankamen, wurde es aber schon Zeit, Sonja abzuholen. Im beheizten Warteraum warteten wir und endlich kam sie: Sonja, endlich wieder nach 5 Monaten!!

Mit Sonja in Budapest (Punkrock, Alter!)

Wir brachten unsere Sachen zu Maté und beschlossen, essen zu gehen. Nach der Teurostadt Wien gab es Budapest endlich wieder vernünftige Preise (trotz beklopptem Wechselkurs: 1 Euro zu 273 Forinth). Eigentlich wollten wir was Landestypisches, landeten aber in einer Pizzeria, war jedenfalls auch lecker. Danach tranken wir in einer neu eröffneten Bar Wein mit Himbeersirup und Sonja kam in den Genuss von Palinka, Clemence und Mate tranken Absinth (der in den USA verboten ist, weil er angeblich Halluzinationen hervorrufen kann). Der Kellner war ein älterer Hippie, ziemlich gut drauf. Er gab Asiye einen Sekt aus, Mate machte die ganze Zeit mit meiner Kamera Fotos.

Absinth


Sekt für Asiye, Clémence ist eifersüchtig


Der Rückweg war grausam, es war unglaublich kalt. Zuhause checkten wir das im Internet, -20 Grad... Krass! Aber ganz Europa war so saukalt, selbst in Timisoara (Rumänien) waren -21 Grad... Der kälteste Tag des Jahres in Budapest, und wer ist da? Richtiiig!

Three Monkeys- Ich, Sonja, Maté

Ich hatte mir Plastiktüten über die Socken gezogen, trug immer mindestens 3 Strumpfhosen und 4 Pullis plus Jacke, Schal, Handschuhe, Mütze, die anderen genauso.
Wir hatten für Clemence und Asiye Interrail-Tickets gekauft, sie wollten nach Bratislava trampen und anschließend nach Polen weiterfahren, dann nach Frankreich, Spanien, Portugal, und schließlich zurück nach Rumänien. Hier trennten sich also unsere Wege, wir verabschiedeten uns und von da an reiste ich mit Sonja alleine weiter.
Wir sahen uns am nächsten Tag Budapest an, sowohl Buda als auch Pest, mochten die Stadt, tranken Kaffee und tauschten Annekdoten aus dem Freiwilligenleben aus. Mail ist ja schön und gut, skype und so weiter, aber bei einem Kaffee zu sitzen und zu reden ist 1000 Millionen mal besser!
Mate, der uns tagsüber den Markt gezeigt hatte, auf dem er immer einkaufte (ziemlich geil, mehrstöckig und mit allem, was es gibt; unter anderem ein Stand an dem man alles vom Schwein kaufen kann, inklusive Rüssel), hatte für abends eine internationale Dinerparty geplant, mit einer Ungarin, 4 Türkinnen und uns. Er kochte Pasta mit Kartoffeln, angeblich typisch ungarisch, wir machten Reibekuchen mit Apfelmus, die er als polnische Placki erkannte. Naja, aber die essen die nicht mit Apfelmus, außerdem muss er erstmal beweisen, dass es Placki vor Kartoffelpuffern gab! Außerdem gab es Sauerkraut, das Sonja und ich für uns entdeckten, und andere eingelegte Gemüsesorten mit Essiggeschmack, aber ganz lecker.
Die Türkinnen redeten leider nur untereinander, weshalb die internationale Interaktion ein bisschen wegfiel, das Essen war aber lecker.

Kochparty

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus etwas außerhalb der Stadt zu einer Tankstelle, von der aus wir nach Bratislava trampten, wenn wir schon so nah sind. Wir blieben dort in einem Hostel, die Nacht nutzten wir zum Barhopping, blieben schließlich in einem gerammelt vollen Rockclub namens Aligator, wo wir von einem netten Typen Drinks ausgegeben bekamen, mit dem ich hinterher zu der Livemusik tanzte. Eigentlich wollten wir nachher noch in einen Reggaeclub, den unsere Schweizer Zimmergenossen empfohlen hatten, aber den fanden wir nicht mehr, Motivation schwindend. Ein Nikolaus kam uns auf dem Rückweg entgegen, wir forderten Geschenke, seine Begleiterin gab uns Schokoloade, haha. An einem Fenster rauchte ein Typ, hinter ihm schien eine Party zu sein. Wir riefen ihm zu, ob wir mitfeiern dürften, er kam runter, redete auf deutsch mit uns, verabschiedete sich aber dann, schade. Wir feierten alleine noch eine nächtliche Keksparty und schliefen dann.
Am nächsten Morgen bemerkte ich beim Duschen, dass ich mein Handtuch verloren hatte und trocknete mich notgedrungen mit einem T-shirt ab.
Wir gingen durch Bratislava, eher klein, aber ziemlich schön. Eigentlich wollten wir frühstücken gehen, das Café hatte aber zu und wir gingen ins "Green Café", von einem Italiener betrieben und daher mit fantastischem Kaffee ausgestattet, das Sandwich war aber nicht so berauschend. Nach unsere Tour durch die kleine Innenstadt gingen wir deshalb nochmal Frühstücken, für Sonja Croissant, für mich Spinatquiche. Der frisch gepresste Orangensaft war fantastisch!
Von der Rezeptionistin im Hostel hatten wir einen Tip bekommen, wo man gut nach Budapest trampen könne. Der Busfahrer erzählte uns dann aber was anderes, nahm uns umsonst mit und dirigierte uns den Weg. Irgednwie kam der uns dann nicht soo ideal vor, aber gut, er war der Profi. Er wollte noch unsere Mailadresse und schrieb uns tatsächlich am nächsten Tag, lud uns nach Bratislava ein, bei ihm und seiner Familie zu wohnen und uns alles zu zeigen. Ziemlich cool!
Nach einigen Schwierigkeiten fanden wir die Hitchhiking-Stelle, nach langem Warten nahm uns ein Fahrer bis zur Grenze mit, die wir dann zu Fuß (!) überquerten. Dahinter lag ein großer Supermarkt, augehungert kauften wir Abendbrot, ich zeigte Sonja Fornetti, eine Gebäckkette aus Ungarn, die es in Rumänien auch überall gibt, so verschiedene Blatterteigteilchen, sehr geil. Ich kaufte mir auch ein Handtuch, ähem...
Anschließend standen wir ewig im Nieselregen mit dem "Budapest"-Schild in der Hand, bis uns jemand bis zur ersten Autobahntankstelle mitnahm. Dort sprachen wir einen alten Mann mit seinem Hund an, der uns mitnahm nach Budapest und unterwegs von seinen vielen Reisen erzählte, in perfektem Deutsch. Nach einer Weile erzählte er von einem Kollegen und Freund, der ihn betrogen hatte, und gegen den er jetzt den Prozess darüber verloren hatte. Wenn er die zweite Runde auch verlöre, so sagte er nüchtern, werde er ihn umbringen. Er würde 15 Jahre bekommen, davon 7 absitzen, ein Buch darüber schreiben und dann mit neuem Seelenfrieden weitermachen. Wow, wir saßen mit einem potentiellen Mörder im Auto!
Er ließ uns an der U-Bahn raus, wir fuhren zum Flughafen, gaben viel zu viel Geld aus für ein bisschen Proviant für die Nacht (wir Trottel hatten nicht dran gedacht, im Tesco an der Grenze was mitzunehmen) und machten es uns bequem im ersten Stock, wo kleine separate Warteecken eingerichtet waren. Nach einer Weile kam ein holländisches Pärchen dazu, trank Rotwein und aß Sushi und beachtete uns nicht, die wir einfach nur schlafen wollten. Ich fand die beiden irgendwie witzig.
Am nächsten Mittag also ging unser Flug nach Stockholm, es war der 24. Dezember.
Der Flug verlief ganz ruhig, wir freuten uns über den Schnee in Schweden; in Budapest war schon nichts mehr übrig gewesen. Per Bus zum Bahnhof, von da aus per Zug nach VÄSTERHANINGE (der Ansager am Bahnhof sagte diesen Namen etwa 200 Mal, schwedisch klingt wie hamburgisch, haha), wo wir abgeholt wurden von Joel. Der 27-jährige Schwede hatte beschlossen, dieses Jahr Weihnachten im Kreise der Familie ausfallen zu lassen und stattdessen ein Couchsurfing-Event zu starten, bei dem wir uns auch angemeldet hatten. Wir verbrachten Weihnachten schließlich mit einer Thailänderin, 2 Brasilianerinnen, einem Neuseeländer, einem Finnen, einer Lettländerin und ihrer riesigen Katze und eben dem Schweden, außerdem mit einem riesigen Berg schwedischem Essen und den ungarischen Sachen, die wir mitgebracht hatten (Süßigkeiten und Sekt). Am 25. spielten wir Monopoly und bauten einen Schneemann.

Der coolste Schneemann der Welt!


Monopoly

Die Location war ein typisches schwedisches Ferienhaus, wenn auch in weiß statt in rot, das an einem zugefrorenen See lag und ziemlich außerhalb der Hauptstadt, mindestens ein halber Meter Schnee erhielten das Ideal einer "Weißen Weihnacht" und alle waren super nett.

Aline aus Brasilien am See...


Schneeballschlacht ('n bisschen Posen...)

Am 26. morgens nahmen wir den Bus zurück, fuhren zum Flughafen und nahmen den Flug nach Poznan (auf deutsch Posen), in Polen, eben jene Stadt, in der ich das letzte Mal 36 Stunden verbracht hatte. Wir hatten ein Hostel gemietet und gingen erstmal essen. Der Service war unglaublich schlecht, dafür trafen wir eine nette Italiener-Polin, die uns die Speisekarte übersetzte. Auf der Rechnung vergaßen die unfreundlichen Kellnerinnen unser Essen, Pech gehabt, wir bezahlten nur das leckere Bier (mit Himbeersirup, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, und... STROHHALM!) und die lächerlichen, genau abgemessenen Cocktails. Der Abend war nett, nichtsdestotrotz, wirklich!
Am nächsten Tag holten wir uns von der Rezeptionistin wieder Tramptipps, eine andere Mitarbeiterin hatte uns schon eine Straßenkarte von Polen geschenkt. Dann gingen wir zum Frühstück, das inklusive war. Nach dem Frühstück im Hostel in Rom erwartete ich nichts besonderes- und wurde überrascht! Es gab Brot, Käse, verschiedene Marmeladen, verschiedene Sorten Cornflakes und sogar heiße Würstchen! Wir schmierten uns noch Brote für die Fahrt und ich unterhielt mich lange auf deutsch-spanisch mit einem Mexikaner, der in Würzburg wohnte zur Zeit. Wir tauschten Kontaktdaten aus, weil er sich gut auskannte mit billigen Flügen nach Mexiko (ja, ich meine das ernst, nächsten September möchte ich dahin!) und dann ging es wieder back to the road. Sonja und ich trampten nach Gdansk (auf deutsch Danzig) im Norden von Polen. Insgesamt 4 Fahrer hatten wir, darunter ein nettes älteres Pärchen, das uns Bonbons schenkte und ein Siemens-Mitarbeiter, der ziemlich gut englisch sprach und uns bis zum Bahnhof brachte. Er wollte auch die Adresse von diesem Blog haben, also in diesem Sinne:
To the nice guy who took us all the way to Gdansk: Thanks a lot, take care!

Danzig Altstadt



Wir trafen Ewa, die Sonja auf couchsurfing gefunden hatte. Wir gingen mit ihr und einem Freund von ihr Gingerbier trinken, lecker. Dann gingen wir in eine Bar spielte ein Typ Gitarre und sang dazu, eine seltsame kleine Ansammlung von Fans hatte sich um den selbst ernannten Lyriker versammelt und schimpfte auf polnisch und englisch mit uns, als wir redeten. Es war aber noch ziemlich witzig, die Frau, die uns erst anmachte, war hinterher total nett (außerdem schien sie irgednwie ein bisschen durch zu sein) und bekam schließlich noch einen Heiratsantrag von einem bärtigen Typen, über den der Sänger ein Liedchen verfasst hatte. Bekloppte Leute, ziemlich cool schade, dass wir kein polnisch konnten!
Wir verbrachten die Nacht bei Ewas Schwester. Da Mädel selbst war nicht ganz normal, ziemlich ausgeflippt, aber alles in allem sehr cool. Ihre Schwester hatte eine Wohnung mit ihrem Mann und Baby, beide waren erst Anfang 20 und sehr cool. In der Wohnung war noch ein junger Weißrusse, der auf irgendwas war, sicher nicht nur Alkohol, und uns mit "Heil Hitler" begrüßte. Er war aber kein Nazi, wollte wohl nur seine Deutschkenntnisse demonstrieren und schließ irgednwann auf dem Boden ein. Wir tranken Bier und aßen polnische Schokolade, die Wohnung roch nach Räucherstäbchen, wir fühlten uns gut. Wir schliefen mit Ewa zusammen auf einem winzigen Schlafsofa, wurden morgens von Baby Felix geweckt, bekamen Kaffee und Cornflakes und gingen dann mit Ewa und Felix an den Strand von Gdansk, ziemlich schön. Die Stadt selbst auch, die wir uns hinterher noch ansehen, außerdem gingen wir Pizza essen und kauften in einem Hippieladen ein. Ewa musste einen Freund treffen und hatte ihre Freundin Agnes beauftragt uns ein bisschen was zu zeigen. Danzig ist echt eine schöne Stadt, da werd ich sicher nochmal hinfahren!

Zugefrohren: Die Zufahrtsstraße zum Hafen

Sonja und ich gingen in einem englischen Buchladen, ich kaufte "Le Polonais sand peine", ein Polnisch-lernen-Buch auf französisch für 10 Zloty, 2,50 €. Durch die Lektionen am Abend zuvor (wir hatten jede Menge Schimpfwörter gelernt) und weil alle sagten, ich habe eine sehr gute Aussprache, hatte ich Lust auf Polnisch bekommen, außerdem gefiel mir das Land.
Wir trafen Agnes, die genau wie Ewa ziemlich ausgeflippt war, aber schon ein bisschen normaler und unglaublich sympatisch. Sie zeigte uns den "Forte" (!?), einen Berg, von dem man über die Stadt gucken kann. Dann trafen wir Ewa und Agatha, eine weitere Freundin, und machten uns auf in Ewas Heimatdorf in der Nähe der Stadt, wo ein Mädelsabend anstand. Im Bus tranken wir vorher gekauften Wein, bei ihr zuhause polnischen Wodka und machten bekloppte Fotos, wir wurdem mit Pommes und Keksen bewirtet.

Evil: Ewa und Agnes

Um Mitternacht wollte Ewa unbedingt Schlitten fahren gehen, ich hatte als Einzige auch Lust, aber die anderen ließen sich überreden. Etwa 1,5 Stunden zogen wir mit dem Schlitten durch die Gegend, abwechselnd wurden wir über die verschneiten Wege gezogen, auf einmal fand ich mich unter Ewa und Agnes wieder, Burgern ist also definitiv international. Ich lernte meine Lieblingsbeleidigung (die ich hier nicht schreiben werde, weil sie seeeehr böse ist ;)) und wurde wieder darin bestärkt, Polnisch zu lernen.

Mädelsabend

Sonja und ich schliefen im Gästezimmer, wir standen früh auf, weil wir wieder trampen wollten. Nach einem Plan von Ewa trampten wir zunächst nach Czarlin, einem kleinen Ort, an dem sich die Hauptstraßen gabeln. Hier gibt es wenig Autobahnen, und die sind meistens sehr kurz. Dafür klappt Trampen super, weil man sich auf den breiten Hauptstraßen viel besser hinstellen kann und schnell mitgenommen wird. Wir hatten auch echt viel Glück (unser Fahrer nach Gdanks hatte uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir insgesamt echt viel Glück hatten bei unserer Reise- kein Flugzeug hatte Verspätung, selbst wenn alle anderen Flieger Delay hatten, und Trampen klappte super) und kamen zeitig bis nach Ostrow. Von da an verließ uns das Glück aber, es war schwer, einen guten Hitchhiking-Punkt zu finden. Schließlich nahm uns ein Pärchen mit, brachte uns sogar weiter als sie eigentlich mussten und suchte einen Bus für uns, weil es mittlerweile dunkel war, 5 Uhr nachmittags. Da der einzige Bus nach Milicz, unserem Tagesziel, erst um 7 fuhr, ließen wir uns an der Hauptstraße absetzten und fanden alsbald einen Truck. Von der Tankstelle am Stadtrand holte uns Pawel ab, ein polnischer Freiwilliger aus Sonjas Projekt, der zu Weihnachten zu Hause war und uns diese Nacht aufnahm. Sein Haus war weihnachtlich geschmückt und gemütlich, seine Mutter machte uns Abendessen und wir gingen mit seinen Freunden Bier trinken. Ich vertrug irgendwie nichts an diesem Abend, merkte das schon nach einem Starkbier und war am Ende der Nacht ziemlich betrunken. Pawel und seine Freunde waren super nett. Auf dem Rückweg legte ich mich auf der Straße auf dem Eis ab, peinlich und blaue Knie inklusive. In Pawels Bett schliefen wir wie Babies, mussten wieder früh raus, um unser finales Ziel zu erreichen: Prag, wo wir mit Veronika (die ich aus meinem tschechischen Workcamp kenne) Silvester feiern würden. Eigentlich hatten wir Oslo geplant, auch schon Flugtickets, aber wir hatten keinen Schlafplatz gefunden und da das billigste Hostel 40 Euro pro Nacht gekostet hatte, entschieden wir uns dagegen.

Trampen in Milicz

Prag erreichten wir vor Einbruch der Dunkelheit (was Pawel mächtig beeindruckte), warteten am Bahnhof auf Veronika und fuhren schließlich zu ihrer Wohnung, in der sie mit ihrer Mutter wohnt (die gerade verreist war, sodass wir ihr Zimmer benutzen konnten, super)! Ich freute mich, Veronika wiederzusehen, wir gingen mit ihren Freundinnen ein Bier trinken und- Überraschung- Ben war auch in der Stadt, der französische Freiwillige, den ich im November besucht hatte. Fröhliches Wiedersehen in einer Bar, er hatte seine Freunde aus Frankreich dabei, mit denen er Silvester im Blue House verbringen würde und die auch ziemlich nett waren. Alle waren ziemlich betrunken, Ben angeblich nur, um meinen Sarkasmus zu verstehen, haha, damit hatte ich ihn in der Zeit im Blue House immer aufgezogen, nur leider hatte er es übertrieben und war begriffsstutziger denn je. Besonders mit einem riesigen Typen mit dem Spitznamen Tonton, was sowas wie Onkel heißt, verstand ich mich super. Wir zogen weiter zu einem Club namens "Le Chapeau Rouge", der Rote Hut- ein dreistöckiger Touri-Club voller Franzosen und Deutscher, kein Sauerstoff aber jede Menge Betrunkener. Veronika rastete total aus, hatte wohl Platzangst, Sonja und ich fandens auch nicht so spitze, es tat mir leid, weil ich die beiden quasi überredet hatte, mitzukommen, um noch ein bisschen länger was von Ben zu haben. Als wir sagte, wir würden nicht bleiben, war er auch offensichtlich ziemlich geknickt, sein Freund sagte zu ihm, er könne ruhig mit uns mitgehen, aber unser Ziel war nur ein Bett. Aber schließlich haben wir im Frühling Reunion im Blue House mit dem Workcampteilnehmern und er kommt mich auch in Rumänien besuchen!
Am nächsten Morgen gingen Sonja und ich noch fix frühstücken in einem kleinen Café nahe des Zentrums. Zu Silvester war ein Wahnsinnstourismus in der Stadt, peinlicherweise vor allem betrunkene Deutsche, die sich in der Tram über "Bauer sucht Frau" unterhielten, als haben sie die Folgen auswendig gelernt und zu ihrem einzigen Lebensinhalt erklärt. Wir hatten geplant, nachmittags nach Mala Skala zu fahren, einem kleinen Ort in den Bergen, und dort Silvester mit Veronikas Freunden zu feiern. Wir kamen ziemlich spät zurück, rannten zur U-Bahn und bekamen auch den Bus noch, Veronika war tierisch aufgeregt und wir fuhren die ganze Zeit schwarz Tram und U-Bahn, aber egal.
Überhaupt ist es von Land zu Land so unterschiedlich mit dem Ticketsystem, dass wir oft ungewollt schwarz fuhren, aber zum Glück hatten wir nie Probleme. In Posen hatten wir einen Polizisten gefragt, aber der meinte nur "No Ticket, never ticket!". Sympathisch!

Mala Skala (übrigens UNESCO-Stadt)

Veronikas Freunde waren nett, wir feierten in einem alten Kino, dass dem Vater von einem der Partygäste gehörte. Dazu gehörten auch Ferienwohnungen, in denen wir untergebracht waren; ein bisschen wie wir letztes Jahr in Schloss Dankern hatte die Gruppe schon mehrere Tage hier verbracht. Wir sahen einen Film an und aßen zusammen, Bier wurde gezapft und billiger Rotwein ausgeschenkt. Leider sprachen die Leute meist miteinander tschechisch, wir mussten sie quasi überreden, mit uns englisch zu reden. Trotzdem war es cool. Um Mitternacht stellten Sonja und ich plötzlich mit Erschrecken fest, dass wir die einzigen nüchternen Menschen im Raum waren und machten uns über den Sekt her. Sonja ging bald schlafen, ich unterhielt mich noch mit Veronika und dem Partyvollsten, gegen 4 ging ich schlafen. Als es schon hell waren kamen die letzten in den Schlafraum um machten Krach, wir drehten uns um und schliefen weiter.

Es gab auch tierische Partygäste


Das Kino inkl. Bar


Frohes Neues! Veronika und Sonja um Mitternacht

Morgens gingen wir in die andere Ferienwohnung hinüber, wo schon was los war, frühstückten die Reste des Silvesteressen (Cannapés mit scharfem Knoblauchaufstrich) und lasen englische Bücher, die wir fanden. Später kamen nach und nach alle aus ihren Nachtlagern gekrochen, wir aßen Linsensuppe, weil die angeblich für Reichtum im neuen Jahr sorgen soll.

Silvester-Essen

Mit Veronika furen wir im Zug nach Prag zurück, wo Sonja und ich uns ein paar Vorräte für den nächsten Tag- Rückfahrt- kauften, aßen zu Abend, tranken noch einen Tee mit Veronika, dann Abschied meinerseits- ich musste früh raus- und schlafen.
Um 7 fuhr mein Bus nach Budapest. Dort hatte ich etwa 1,5 Stunden Aufenthalt im kalten Wind, dann kam der Bus zurück nach Cluj. Ein nettes Pärchen hatte sich via Couchsurfing bereit erklärt, mich für die Nach aufzunehmen, und holte mich ab. Ich schlief nach der langen Fahrt bis mittags, las mein Buch zu Ende ("Veronika decides to die", Paolo Coehlo, empfehlenswert!) und hatte mit Iana und Calin einen tollen Silvesterbrunch mit rumänischen Spezialitäten, nach denen ich nach Knoblauch roch und aus dem Raum rollte.
Wir sahen uns die Stadt an, es schneite, Calin erzählte mir die Geschichte verschiedener Monumente. Im Zentrum fuhren Kinder Schlittschuh, wir sahen uns eine Kirche an und gingen Kaffee trinken. Die beiden wollten bald heiraten und luden mich zur Hochzeit ein, ich freute mich riesig. Außerdem würden sie bald nach Sibiu ziehen und mich dann auf jeden Fall besuchen. Yeah, geil!
Sie brachten mich zu meinem Bus zurück nach Râmnicu Vâlcea und auf der Busfahrt rief plötzlich Katja an, von der ich monatelang nichts gehört hatte, ich freute mich unglaublich!
Gegen 11 kam ich an in meiner "Heimatstadt", freute mich, zurück zu sein, hüpfte durch die Straßen nach Hause. Zwar ist Valcea nicht gerade wunderschön oder supertoll, aber es ist iregdnwie schon mein Zuhause geworden und nach 10 Wochen fast ununterbrochener Reisen fühlt es sich toll an, zurück zu sein!!!

Mittwoch, 6. Januar 2010

Craciun fericit!






Ein paar weihnachtliche Eindrücke aus Râmnicu Vâlcea:

Herbstreise Teil 2- ein italienischer Sommer im Spätherbst, 36 Stunden Polen und Rückkehr nach Deutschland...

So, jetzt kehre ich gerade aus meinem Winterurlaub zurück und schreibe noch über meine letzte Reise, verrückt... Aber dazwischen in den 6 (!) Tagen blieb mir blöderweise nur Zeit für Teil 1.

Also am nächsten Morgen im Hostel nach einer kurzen Nacht aufwachen und das versprochene inklusive Frühstück inspizieren: Eine große Schüssel Cornflakes steht auf dem "Buffet" neben einem Liter Milch, dazu gibt es diese eingepackten Croissants aus dem Supermarkt, Kaffee und Tee. Aber gut, ich brauch keinen Luxus, lass es mir gutgehen mit Kaffee und Cornflakes und sehe mir eine Fernsehpredigt auf italienisch an, es ist Sonntag.
Mit dem Bus geht's zum Bahnhof, von da aus ein Ticket nach Fara Sabina kaufen, dem Treffpunkt für's Workcamp. Ich bin früh dran, der Zug fährt in 15 Minuten und dann bin ich immer noch zu früh, aber man weiß ja nie.
Weiß man wirklich nicht, denn der verdammte Zug lässt erstmal eine geschlagene Dreiviertelstunde auf sich warten. Ein junger Türke (deutlich erkennbar an seinem "Istanbul"-T-shirt) läuft ein bisschen hilfos am Bahnsteig herum mit einem Zettel in der Hand, der aussieht wie das Infosheet des Camps, also spreche ich ihn an. Alper hat tatsächlich das gleiche Ziel wie ich. Wir unterhalten uns, er hat die Nacht angeblich in einem kurdischen Terroristenlager verbracht, ich weiß nicht so genau, was ich von ihm halten soll. 20 Jahre alt und laut eigener Aussage noch nie selbst eine Teller abgespült, sein Zimmer aufgeräumt oder auch nur ein Staubtuch angefasst. Ich bin echt gespannt, wie er sich schlagen wird!
Endlich kommt der Zug, am bahnhof werden wir von einer netten jungen Belgierin abgeholt. Wie sich herausstellt waren noch 2 andere Campteilnehmer in unserem Zug, Marketa aus Tschechien und Raphael aus Frankreich.

Unser Heim für 2 Wochen

Marketa ist schon zum dritten Mal hier und unterhält sich mit Elisabeth, der Belgierin, über das Camp. Wenn die schon zum dritten Mal hier ist, dann kann's ja nicht so übel sein!
Die Belgierin stellt sich als Ehefrau des Hofbesitzers Stefano Fassone heraus, ehemalige Freiwillige (EVS, haha) und eben dageblieben. Stefano ist deutlich älter als sie, ein kleiner Italiener mit einem Bauchansatz, dunkle Haut und Haare und damit der totale optische Gegensatz zu seiner Liebsten, die mindestens 1,80 groß, unglaublich dünn, dunkelblond und hellhäutig ist. Die beiden sieht man nicht so oft neben einander stehen, warum nur, haha, es sieht einfach zu witzig aus.
Bei der Ankunft treffen wir die anderen Campteilnehmer, eine ganze Menge dieses Mal, die meisten von ihnen schon eine Woche dabei: Aus Mexiko Raúl und Dania, aus Boston der gebürtige Franzose Victor, noch ein Franzose (der wie alle Franzosen, die ich hier kennen lerne, aus der Nähe von Nantes kommt), Jonathan, außerdem Hui aus Taiwan, Van aus Hong Kong, Seungha aus Südkorea, Rasto aus der Slowakei, John und Doug aus Great Britain, Ludowig aus Belgien, Eva aus Deutschland (aber zur Zeit wohnhaft in Italien) und am nächsten Tag kam noch das mexikanische Pärchen Leslie und Daniel dazu, einige Tage später noch Evas italienischer Freund Marcello.
Zusammen mit Elisabeth und Stefano und Elisabeth also eine ziemlich große Gruppe.
Den ersten Nachmittag verbrachten wir erstmal mit Gelände erkunden: Die Farm liegt in Mompeo, etwa 50 km von Rom entfernt in den Bergen, total schwer zugänglich (arme Stoßdämpfer) über winzige Straßen mit Drehwurmgarantie und mit einem unglaublichen Blick. Stefano hat hier nach und nach immer mehr Olivenhaine gekauft, kleine Wiesen, die er auf 100%ig ökologische Art und Weise bestellt, keine Maschinen (außern einem witzigen Olivenbaumzweig-Schüttler, haha), alles von Hand. Wir gewannen einen Einblick in diese Art von Olivenernte: Die Bäume werden mit Netzen umlegt, dann die Oliven mit kleinen Spielzeugharken leergekämmt bzw. eben mit besagter Maschine geerntet. Ganz witzig an sich, aber nach ein paar Tagen schon ein bisschen eintönig.

Rasto und Hui in Mompeo

Der Abend verlief eher ruhig, alle waren müde. Der Tagesplan hatte es nämlich ganz schön in sich: halb 7 aufstehen, Frühstück, zum Olivenhain laufen (etwa 1/2 Stunde größtenteils bergauf), arbeiten bis 1, Mittagessen und etwas chillen, so um 2, halb 3 weitermachen bis halb 5, dann meistens noch nach Mompeo, also in die "City" (ein paar hundert Einwohner), eine süße kleine italienische Stadt auf dem Berg, also wieder berghooooooch (manchmal nahm und ein Einheimischer im Auto mit, zB einmal mit 7 Mädels, der war ziemlich stolz, hat uns auf dem bevölkerten Parkplatz rausgelassen mit stolzgeschwellter Brust). In der netten kleinen (einzigen) Bar blieben wir meistens bis halb 8, 8 bei Cappuccino und anschließend Bier, denn um 8 sollte es Abendessen geben. Um das Essen kümmerte sich Elisabeth plus jeweils 2 Freiwillige, die Küchendienst leisteten. Nightlife war meinstens nicht angesagt, alle waren fertig von der harten Arbeit, meistens lasen wir nur noch.
Die Abende in der Bar waren dafür immer ziemlich super, ich saß meistens mit Rasto, Eva und Jonathan draußen, wir unterhielten uns mit Einheimischen auf italienisch, spanisch und englisch (Eva hat ziemlich schnell ziemlich gut italienisch gelernt und Jonathan ist zweisprachig französisch-italienisch aufgewachsen und war 6 Monate EVSler auf Stefanos Farm), aber wir verstanden uns alle untereinander ziemlich gut.

Hui und Rasto in der Bar

Nach ein paar Tagen war das Olivenpflücken wie gesagt nicht mehr so spannend. Die andere Gruppe fackelte mit Stefano ein Feld ab, auf dem Olivenbäume standen. Ein bisschen salopp ausgedrückt; was ich meine, ist, dass sie die leicht entflammbare Büsche verbrannten, die auf dem Feld wuchsen, um im Sommer ein Feuer zu vermeiden, bei dem die Bäume, Tiere und möglicherweise auch Menschen zu Schaden kommen würden. Das war eine gefährliche und harte Arbeit; mann musste die Büsche zuerst schneiden, dann geregelt abbrennen vorher das geschnittene Gras so zusammenharken, dass das Feuer nicht überspringen konnte und anschließend mit einer Spitzhacke die Wurzeln entfernen. Das war schon ein bisschen spannender als die Oliven... Wir pflückten etwa 14 Körbe voll pro Tag, Tendenz steigend, aber eben nicht sonderlich aufregend. Ich unterhielt mich vor allem mit Eva, Leslie (auf Spanisch, juhu) und Hui, Elisabeth und Jonathan arbeiteten meist schweigend oder redeten auf italienisch miteinander. Sie kannten sich halt schon länger, Jonathan besuchte die Farm regelmäßig für mehrere Monate.
Eines Mittags wurden wir plötzlich alle zum Feld gerufen, auf dem die anderen kokelten: Das Feuer war außer Kontrolle geraten, wir brachten Unmengen an Wasser rüber, bis schließlich alles wieder unter Kontrolle war. Action deluxe; besonders Raphael hatte sich fast in die Hosen gemacht.

Burn, burn!

Endlich wurden wir anderen auch vom Olivenpflücken erlöst und durften auf dem Feld helfen. Wir harkten das Heu zusammen, riesige Massen, und kontrollierten das Feuer. Die Hitze und der Rauch machte uns ganz schön zu schaffen. Es war sowieso schon ziemlich warm: 25 Grad, jeden Tag Sonne, ein super Spätsommer im Spätherbst, die Sommersprossen sprossen (haha), auf Englisch übrigens freckles, wie ich lernte. In der Mittagspause lagen wir auch immer auf dem Rasen in der Sonne, geil.

Fliegen! (In Mompeo)

Wir hatten zwei freie Tage nach der ersten Arbeitswoche. Viele fuhren nach Rom, es liegt schließlich in der Nähe. Ich blieb mit einigen anderen da und Stefano zeigte uns die Umgebung. Am ersten Tag wanderten wir durch die Gole del Farfa, ein Wanderweg, der 4 verschiedene Farmen wie die von Stefano verbindet. Das ganze nennt sich Agroturismus; die Leute können 4 Tage wandern, Tagesziel jeweils eine der Farmen, alles ökologisch, dort konnten sie essen und schlafen für relativ wenig Geld, um die 20 Euro pro Nacht, natürlich auch keine Luxushotels, aber dafür mitten in der Natur. Stefano zeigte uns eine alte römische Wassermühle, die er auf seinem gekauften Land entdeckt hatte, sowie eine Brücke aus der Römerzeit und antike Wassersysteme, die zur Mühle gehörten. Außerdem erzählte er uns seine Geschichte: Er hatte wohl unter Depressionen gelitten, auch wenn er das so nicht sagte, sein Studium hingeschmissen und war zum Haus seines Opas gefahren, das in der Nähe von Mompeo lag. Er hatte sich mit der Gegend beschäftigt und sich auf die Suche nach Überresten der römischen Kultur gemacht. Er hatte mit einem Freund zusammen angefangen, Land zu kaufen und sich eine eigene Existenz aufzubauen. Er hatte sogar eine alte römische Villa gefunden, über der er sein Haus errichtete. Das Ganze war nur möglich mit der Hilfe von Workcamps wie unserem: Wir waren schon Nummer 45!!! Trotzdem wird ihn das nie zu einem reichen Mann machen. Der Aggroturismo wirft nicht sonderlich viel ab, außerdem nutzt er sein Haus auch als Restaurant für Wanderer und verkauft das Olivenöl, aber wie man so hört, lebt er größtenteils von dem, was ihm sein Vater zukommen lässt. Ich war jedenfalls beeindruckt von so viel Pioniergeist und dieser Willenskraft und fühlte mich gut, hier zu sein und bestärkt darin, ihn mit allen Kräften zu unterstützen.
Wir wanderten den Weg entlang, der auf der Wanderskala nur eine Stufe unter "alpin" lag, gefährlich, aber ein WAHNSINNSBLICK!!

Wahnsinnsaussicht und römische Brücke


Der Rückweg bergauf machte uns total fertig, außer Victor, der in den Staaten für seine Highschool und Universität gelaufen war.
Abends chillten wir wieder, ich unterhielt mich lange mit dem eher zurückhaltenden Jonathan, der richtig aufblühte (ich habe ein Talent entdeckt, von dem ich vielleicht nicht sooo viel habe, aber immerhin: schüchterne Franzosen zum reden zu bringen - siehe Benjamin). Er erzählte mir von seinen Plänen und was er schon so alles gemacht hatte, er war in Afrika gewesen und noch nicht so ganz sicher, wohin ihn das Leben bringen würde.
Am nächsten Tag standen wir früh auf, um mit Stefano in ein nahegelegenes Gebirge zu fahren, wo er einige Wanderpfäde kontrollieren und markieren musste. Wir fuhren in seinem Jeep mit, zu 5. auf der Ladefläche hinten, riesig!! Außer, dass Rasto die ganze Zeit rumweinte, weil angeblich sein empfindliches Hinterteil nicht dafür geschaffen sei. Der Weg dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Etwa an der Hälfte holten uns plötzlich die Carabinieri ein, die Militärpolizei. Die hielten uns für illegale Einwanderer, Rumänen oder so, haha. Ich hätte gerne was aus Rumänisch zu denen gesagt, bekam das ganze aber erst später erzählt. Stefano machte auf Schuldbewusst, musste nichtmal Strafe zahlen am Ende (angeblich wegen der sweeten Signorinas) und wir mussten ein Stückchen laufen. Nach ein paar Kilometern sammelte uns Stefano aber wieder ein, wir fuhren eine Bergstraße hoch, da gibts sicherlich keine Carabinieri. Wir Mädels saßen hinten und schliefen fast ein auf dem Berg aus Jacken und Rucksäcken.
Angekommen liefen wir ein Stück den Wald entlang und halfen Stefano, die Markierungspunkte zu finden. Dann kletterten wir einen Berg hoch, riesige Aussicht, machten witzige Fotos und genossen die Sonne. Wieder runter, zurück, einen anderen riiiesigen Berg hoch, oben dann Lunch. Im Wind war es ganz schön kalt und die Luft wurde dünner; wir waren über 2000 Meter hoch.

Tagesausflug: Ich bin Cupido!


Peace!

Anschließend konnten wir uns aussuchen, ob wir gemeinsam mit Stefano mit dem Auto fahren wollten oder noch ein Stück durch den Wald laufen. Ich schloss mich der Laufgruppe an, und mit Victor an der Spitze rannten wir mehr los als dass wir gingen, echt anstrengend. Plötzlich standen wir auf einer Lichtung und ich dachte, ich sei wieder in Brochterbeck. Es sah haargenau so aus wie im Teutoburger Wald, in der Nähe vom Hotel Kerssen. Auch der folgende Weg erinnerte ziemlich an die Dörenther Klippen; Max fehlte!
Jonathan fragte mich eine seltsame Frage, die ich damals nicht verstand und ernsthaft mit ihm diskutierte, bis mir später die Franzosen erzählten, das sei ein romantischer Anmachspruch, haha: "Welche Sprache sprechen eigentlich Engel deiner Meinung nach?".
Äh, ja gut, hab ich echt nicht gerafft, obwohl ich Jonathan eigentlich echt wohl mochte, naja, Pech gehabt.

Der Blick!! - Raúl begraben

Wir trafen die anderen und John, der über 60 ist und die freien Tage für eine Wanderung zum nächsten Hof auf der Route genutzt hatte und den wir jetzt hier abholten. Er und Stefano kannten sich schon lange, John war auch schon zum 3. oder 4. mal da.
Wir fuhren also zurück, abends kamen die anderen zurück, wir erzählten uns gegenseitig alles.
Die Mexikanische Fraktion organisierte am folgenden Abend eine mexikanische Party; sie führten landestypische Kleidung, Musik, Gerichte und Tänze vor, es gab Tequila und Bier und alle waren super drauf. Raúl und Marketa knutschten, als ihre Zimmerkollegin redeten wir hinterher noch darüber wie zwei Schullandheim-Mädchen. Marketa ist 31, das denkt man echt nicht, 24 maximal! So alt ist übrigens Raúl, haha...
Der spannenste Arbeitstag lag in der zweiten Woche: Wir fuhren ein Stück raus mit dem Auto, um einen Wanderpfad auszubessern, der total zugewachsen war. Gras schneiden also, zusammenharken, Büsche aus dem Boden hacken usw usw. Die Sonne war auf unserer Seite, neben uns ragte das schöne Dorf Castelnuovo del Farfa hinauf, zu dem wir am Morgen auch hingelaufen waren, von da aus holte uns Stefano ab, und rechts von uns auf einem Berg lag eine alte Burgruine. Wir arbeiteten den ganze Tag, mittags setzten wir uns ans obere Ende unseres Arbeitsfeldes und aßen Nudelsalat, die Stimmung war super.
Raúl, Victor und Daniel brachten immer wieder Metallteile nach unten und jedesmal machte mir Raúl irgendein Kompliment auf spanisch, nannte mich seine Prinzessin usw. Ich fand das ganz witzig, hoffte nur, dass Marketa das nicht mitbekommen würde, weil die beiden sowas wie ein Workcamp-Pärchen geworden waren.
Nach dem Ende der Arbeit kletterten wir den Berg hoch zur Burg. Sie war nie fertiggestellt worden, denn vorher hatten Barbaren sie angegriffen und erheblichen Schaden angerichtet. Der Blick nach dem schweren Aufstieg war unfassbar, wir konnten uns gar nicht sattsehen. Die Sonne stand kurz vorm Untergang, das Licht, die umliegenden Dörfer auf dem Berggipfeln, unser Weg, den wir aus der Ferne wie eine Ameisenstraße erkennen konnten... Ich glaube, wir fühlten uns alle gemeinsam glücklich und entspannt.

Die Ruine auf dem Hügel


Stumme Bewunderung

Zurück unten machten wir uns auf den Weg zum Kloster in der Nähe, wo wir uns alle gemeinsam treffen wollten. Ich unterhielt mich mit Raúl, erzählte ihm von Couchsurfing, das er gar nicht kannte, und er war sofort total begeistert. Es ging auch weiter mit der Anmach-Tour vom Nachmittag: Er erzählte mir, wenn ich spanisch spreche, könne man in mein Herz sehen, und da drin sieht es schön aus, es wurde immer bunter, Liebeserklärung deluxe, wunderschöne Worte-
-ohne Bedeutung, ich kannte diese Masche schon aus Argentinien und finde es wirklich traurig, man wird ganz schön desillusioniert von wegen Traumprinz. Es war mir auch ein bisschen peinlich, weil Victor irgendwo vor uns lief, der spanisch zwar nicht gut spricht, aber dafür versteht.
Schließlich kamen wir am Ende des Waldes an, wo wir Stefano trafen, der ziemlich sauer waren, weil wir die nicht auf die anderen gewartet hatten, die jetzt verschollen waren. Wir hatten ihnen gesagt, wir müssten gehen, weil es sonst zu dunkel würde, um durch den Wald zu gehen, aber sie hatten weiter Fotos gemacht. Stefano gabelte sie schließlich per Auto auf.
Abends aßen wir bei "Cicio's" Pizza, die Mexikaner fuhren am nächsten Tag, Abschied feiern, Fotos machen (Victor lachte sich halbtot, als Raúl mich gar nicht mehr losließ).
Ich machte ihm klar, dass ich an diesem Abend in meinem eigenen Bett schlafen würde und ihm seine ganze Story nicht abkaufte. Er meinte, er sei nicht wie die anderen (selbst DAS klingt auf spanisch schöner: "No soy como los demás!"). Auf dem Rückweg hakte ich mich rechts bei ihm und links bei Jonathan unter, mehr als einen Gute-Nacht-Wangenkuss bekam Raúl aber nicht von mir. Dafür versprach ich ihm, in zu besuchen: Er arbeitet in einem Hotel in Acapulco und nächstes Jahr ist das 200jährige Jubiläum der mexikanischen Unanhängigkeit, außerdem wollte ich unbedingt Leslie besuchen!

Amicaaaa- Die Barfrau aus Mompeo

Am nächsten Tag machten wir ein Feuer oben auf der "Brennplantage", Victor erzählte uns seltsame Theorien seines Bruders, zB von Flugzeugen: Wenn man am Himmel diese weißen Streifen von Flugzeugen sieht, sind das seiner Meinung nach Chemikalien, die die Menschen ruhig stellen sollen, sodass sie gehorchen und sich nicht gegen den Staat auflehnen. Deshalb seien die Europäer und Amerikaner verhältnismäßig "kalt", emotionslos- in ärmeren Ländern wie Mexiko wird das Zeug nicht benutzt, und tatsächlich kannte Raúl diese Streifen nicht. Dann kamen noch viel wirrere Theorien; die Welt wird angeblich heimlich von riesigen Insekten beherrscht, die ihre Gestalt wandeln können, dazu gehört zB auch die englische Königsfamilie, die deshalb auch grünes Blut hat und die Sonne meidet (in England ja nicht so schwer, haha).

Kaktusfeigen, juhu (:

Der Exkurs wurde unterbrochen durch eine Diskussion mit Ludowig. Er, Alper und Raphael waren des öfteren durch demonstratives Nichtstun negativ aufgefallen und deshalb nicht gerade beliebt in der Gruppe. Das ist eben das besondere an Workcamps- du wirst akzeptiert und geschätzt, egal wie du bist, solange du ein Teamplayer bist. Die drei hatten das allerdings nicht so raus. Ludowig ging noch einen Schritt weiter und ließ den Einzelkämpfer raushängen, saß meistens mit einem Grashalm im Mund auf dem Boden, während alle arbeiteten. Er erzählte allen, er spiele in einer Rammstein-Coverband, in Wirklichkeit hatte er bei dieser aber nur einen Nachtmittag auf einem Campuskonzert ausgeholfen. Er bezeichnete sich selbst als schüchtern, ich bezeichne ihn als egozentrisch und paranoid. Er bezog alle Kommentare und Äußerungen auf sich, lud mich nach Belgien ein, wo er mir angeblich billig Drogen und Prostituierte besorgen könne (hallo!?) und hatte das gesamte letzte Jahr bei seinen Eltern verbracht, PlayStation gezockt und sich das Ganze vom Staat bezahlen lassen, ca 700 Euro pro Monat, nett. Er kam als Nichtraucher ins Camp und wurde dann zum Kettenraucher, nachdem er sich mit Alper und Raphael angefreundet hatte, die beide rauchten. Aber ich glaube, selbst die fanden ihn ein bisschen gruselig.
Gerade auf mich schien er es abgesehen zu haben, was absurde Diskussionen anging. Ich hatte für das Camp den Namen "Ada" angenommen, weil "Frauke" wohl zu schwierig war, im letzten Workcamp hat das kaum einer hinbekommen. Ich hatte aber allen gesagt, wie ich wirklich hieß und dass ich mich nur Ada rufen ließ, weil es einfacher war. Es war eine witzige Erfahrung für mich, aber auf Ludowigs Reaktion war ich nicht gefasst gewesen.
Er warf mir zuerst vor, mich selbst zu verleugnen, dann sagte er, ich müsse mir einen neuen Facebook-Account anlegen, da Ada und Frauke zwei verschiedene Personen und Persönlichkeiten seien und er sagte er wolle sich auch einen zweiten Namen anlegen, damit er quasi einen Blankoscheck bei der Polizei habe. Als ich fragte, welchen Namen er denn annehmen wolle, sagte er, das könne er mir natürlich nicht sagen. Scheiße, der Typ war so fertig.
Mein Abschied kam viel zu früh, mir waren einige der Leute echt ans Herz gewachsen, besonders Ewa und Jonathan und Leslie und Hui. Einige versprachen mir, mich besuchen zu kommen, bisher hat sich dementsprechend noch keiner gemeldet, schade. Aber es war jedenfalls eine super Zeit mit einer super Gruppe, mit Stefano als Maskottchen und Antrieb, ein fordernder Boss aber auch ständig albern, bekloppte Witze deluxe und bildliche Beschreibungen plus sein Lieblingsword "Cazzo", quasi "Scheiße", wörtlich aber "Penis"- so fluchen die Italiener halt.
Ich hatte noch einen halben Tag in Rom bevor ich zum Flughafen musste, ließ meinen Rucksack bei Marcello und lief ein bisschen in der Nähe des Bahnhofes herum, fand einen coolen Buchladen, trank den guten italienischen Kaffee (den ich sooo sehr vermisse) und später noch einen Espresso mit Marcello und seinem Mitbewohner, bevor ich mich aufmachte-
-zu einem Alptraum! Fiumiccino Airport ist riesig und vollgestopft mit Menschen, alles dauert ewig, selbst die Gepäckkontrolle hält dich mindestens eine halbe Stunde auf. Endlich im Flugzeug war ich total genervt und gestresst...
In Poznan (Posen), Polen, meinem Ziel, sollte mich Mateusz abholen, ein Student, den ich über Couchsurfing kennen gelernt hatte. Leider verpasste ich den Bus, den er mir gesagt hatte, weil mein Flug Verspätung hatte. Die Frau von der Touristeninfo half mir und riet mir einen anderen Bus ins Zentrum. Der Busfahrer sprach- Polnisch, haha, naja, ich kriegte dann aber doch ein Ticket und am Bahnhof wartete tatsächlich Matis auf mich. Wir fuhren zu ihm, unterhielten uns noch ein bisschen, er war sehr nett und wohnte in einer tollen Wohnung am Stadtzentrum. Irgednwann fielen mir die Augen zu und er zog zu seinem Mitbewohner, um mir sein Zimmer zu überlassen.
Ich wachte früh auf und ging zu Tesco, einem nahen Supermarkt, stöberte durch polnische Spezialitäten und kaufte eine Flasche Spezialwodka mit Büffelgras für Heike und Obi (meine Tante und meinen Cousin), außerdem einen interessanten Wein, den ich Pia in Berlin mitbringen wollte, die meine nächste "Station" war.
Ich machte mir zum Frühstück Müsli mit Obst und Joghurt, Matis aß Eier und Speck (von denen er mir auch anbot, aber ich steh mehr auf Müsli) und wir sahen uns eine witzige amerikanische Serie an, auf Englisch mit polnischen Untertiteln.


Poznan/Posen

Den Nachmittag verbrachten wir mit seinen Freunden, die aus Warschau gekommen waren. Sie waren super nett und sprachen für mich Englisch untereinander. Abends feierte eine von ihnen Geburtstag, ich war eingeladen, auf einer Party mit 30 Polen. Aber ich trank mir ein bisschen Mut an mit polnischem Wodka und Bier und quatschte einfach alle an, super nette Leute. Irgendwann kam Matis zu mir und meinte ganz beeindruckt "I think you are the most sociable person I have ever met" (kann ich so schlecht übersetzten, klingt scheiße). Er meinte auch, ich könne gerne länger bleiben, wenn ich wolle und er würde sich freuen usw. Ich freute mich natürlich tierisch, wir verstanden uns einfach von Anfang an super und haben immer noch Kontakt, gegenseitiger Besuch geplant.
Der Abend war noch super, wir tanzten alle zusammen polnische Tänze und sangen dazu (naja, die anderen halt), am Ende Paartanz, ich tanzte mit einem Typen, der es noch weniger drauf hatte als ich, also machten wir immer kompliziert aussehende Drehungen, damit man es nicht so merkte, haha.
Am nächsten Morgen musste ich früh raus um meinen Zug nach Berlin zu erwischen. Die anderen schliefen noch, ein Freund von Matis auf dem Fußboden und eine der beiden Ewas neben mir, aber ich schaffte es, keinen von beiden aufzuwecken.
In der Tram kaufte ich mir ordnungsgemäß ein Ticket- am Vortag, bei allerersten mal polnische Tram wurde ich erwischt und musste direkt 100 Zloty latzen, will sagen 25 Euro. Naja, besser als die 70 in Deutschland, ich hab meine Lektion jedenfalls gelernt.
Im Zug wurde ich von einem betrunkenen Typen angequatscht, weil ich dämlich zurückgewinkt habe, als ich mir zugewunken hat- ich dachte, ich kenne den, ich kann mir so schlecht Gesichter merken... Der wurde aber bei der Fahrscheinkontrolle ziemlich schnell rausgeschmissen. Eine Polin, die perfekt Deutsch sprach, redete mit mir und eine ältere Frau, die mit uns im Abteil saß, stellte plötzlich fest, dass ihre Tochter sie im falschen Bahnhof abholen wollte, sie keinen einzigen Euro besaß und kein Wort Deutsch sprach. Naja, die Polin versuchte ihr ein bisschen zu helfen, aber so richtig Bock schien die darauf nicht zu haben. Mir tat sie leid, aber ich konnte leider nichts tun.

Krasse Vögel


Ewa und ihr Freund


Matis, nicht sehr gut getroffen

In Berlin nahm ich die U-Bahn zu Pias Haus und freute mich tierisch, als sie endlich wieder vor mir stand! Wir hatten uns im Sommer in Canet kennen gelernt, wo ich für RUF gearbeitet hatte und uns sofort super verstanden. Als sie von Freiburg nach Berlin zog und mir eine Einladung zur Einweihnungsparty schickte, wusste ich: Nächstes Ziel=Berlin! Die Party verpasste ich zwar, aber die drei Tage mit ihr waren trotzdem super, wir tranken abends zusammen Wein und kochten, tagsüber arbeitete sie und ich sah mir Berlin an- es war schon ein Jahr her seit dem letzten Mal. Außerdem musste ich Mam ja ein bisschen was zeigen- wir würden eine Woche hier zusammen verbringen und es war ihr erstes Mal in der Hauptstadt.
Mit Pias Mitbewohner Jupp, der im Sommer mein "Boss" gewesen war, verstand ich mich auch super. Er ist ungefähr Mr. Brain, kann quasi die Geschichte seit dem Urknall bis 2012 komplett erzählen. Zusammen verarschten wir Pia ein bisschen; er sagte, der polnische Zloty sei so wenig wert, dass man ihn in der Bank eimerweise bekäme. Ich raffte erstmal nix, war dann aber doch schnell genug, und etwa 5 Minuten lang glaubte sie uns. In Wirklichkeit ist 1 Euro gerade mal 4 Zloty und die Währung ist relativ stabil. Witzig wars aber.
In Berlin insgesamt kam doch ein kleiner Kulturschock auf- wegen der Sprache! Auf einmal war wieder so viel Input da, weil man einfach alles verstand. Im Bus meine Muttersprache zu hören war irgendwie ungaublich seltsam.
Am Dienstag, als meine Ma ankommen sollte, brachte ich meinen Rucksack in das Hostel, das ich in Tiergarten für uns gebucht hatte. Man musste die Schuhe ausziehen, alles ein bisschen Hippie, geil. David's Cosy Little Backpacker's- ein bisschen schmuddelig, aber definitiv gemütlich und gastfreundlich, empfehlenswert.
Mams Zug kam doch nicht am Hauptbahnhof an wegen irgednwelcher Umbauarbeitet, leider stand er trotzdem auf der Ankunftstafel, aber schließlich schaffte sie es zum Hbf und wir fielen uns nach 5 Monaten wieder um den Hals.

Unter den Linden, Museumsviertel

Im Hostel brachte uns ein junger Mexikaner in unser Doppelzimmer, das außerhalb des Hostels in einem Mitshaus lag- wir teilten uns eine ganz normale möbilierte Wohnung mit einem spanischen Pärchen, wie geil ist das denn? Dabei hatten wir nur ein Hostel gebucht...
Den ersten Abend verbrachten wir in einem Restaurant, tranken Bier und unterhielten uns erstmal. Ich erzählte von meiner Reise, sie von zu Hause, das war schön.



Im Berliner Zoo: Nilpferd, Knut und der coolere Bär

Die Tage in Berlin verbrachten wir mit Sightseeing; Mam gefiel Schöneberg am besten, wir sahen uns das Brandenburger Tor an und Schloss Bellevue (von außen, haha), liefen viel rum, gingen ins Deutsche Historische Museum, auf den Markt, durch die Stadt, ein bisschen shoppen, Weihnachtsmärkte, manchmal einfach nur lesen, aßen am letzten Abend bei einem Mexikaner und betranken uns mit Cocktails. Einen Abend gingen wir ins Kino, da lief gerade ein Filmfestival "Around the World in 14 Films" und wir sahen uns den rumänischen Film "Hooked" an. Der Regisseur war selbst da und beantwortete Fragen, außerdem die Hauptdarstellerin, die im Film eine Prostituierte spielte.



Berlin: Dom, DDR-Museum an der Spree und Alexanderplatz

Sonntags ging ich mit Pia ins Zapata, einen Club in der Oranienburger Straße, sehr alternativ, viele witzige Leute aus der ganzen Welt. Wir tanzten mit verschiedenen Leuten aus Mexiko, Brasilien, Peru, Polen und trafen ein paar Engländer die für ein Manchester-Spiel nach Berlin gekommen waren (welch Klischee). Die Nacht war super, Dienstag vor meiner Abfahrt ging ich mit Pia und ihrer Johannitergruppe (sie macht ein FSJ bei denen) in einer Bar und sie versprach, mich zu besuchen, ich freu mich!
Ich nahm einen Nachtzug nach Dortmund, von dort morgens das Flugzeug nach Bukarest und den Bus nach Râmnicu Vâlcea. Ich freute mich riesig, alle wieder zu sehen, ging mit ihnen was trinken und eine kurze Zeit der Schlaflosigkeit begann, bevor wir gemeinsam unsere Winterreise antraten... Aber davon später ;)