Să ne rock!

România pentru un an- Rumänien für ein Jahr!

Mirrors on the ceiling, the pink champagne on ice, and she said "We're all just prisoners here of or own device..."

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Mittwoch, 6. Januar 2010

Herbstreise Teil 2- ein italienischer Sommer im Spätherbst, 36 Stunden Polen und Rückkehr nach Deutschland...

So, jetzt kehre ich gerade aus meinem Winterurlaub zurück und schreibe noch über meine letzte Reise, verrückt... Aber dazwischen in den 6 (!) Tagen blieb mir blöderweise nur Zeit für Teil 1.

Also am nächsten Morgen im Hostel nach einer kurzen Nacht aufwachen und das versprochene inklusive Frühstück inspizieren: Eine große Schüssel Cornflakes steht auf dem "Buffet" neben einem Liter Milch, dazu gibt es diese eingepackten Croissants aus dem Supermarkt, Kaffee und Tee. Aber gut, ich brauch keinen Luxus, lass es mir gutgehen mit Kaffee und Cornflakes und sehe mir eine Fernsehpredigt auf italienisch an, es ist Sonntag.
Mit dem Bus geht's zum Bahnhof, von da aus ein Ticket nach Fara Sabina kaufen, dem Treffpunkt für's Workcamp. Ich bin früh dran, der Zug fährt in 15 Minuten und dann bin ich immer noch zu früh, aber man weiß ja nie.
Weiß man wirklich nicht, denn der verdammte Zug lässt erstmal eine geschlagene Dreiviertelstunde auf sich warten. Ein junger Türke (deutlich erkennbar an seinem "Istanbul"-T-shirt) läuft ein bisschen hilfos am Bahnsteig herum mit einem Zettel in der Hand, der aussieht wie das Infosheet des Camps, also spreche ich ihn an. Alper hat tatsächlich das gleiche Ziel wie ich. Wir unterhalten uns, er hat die Nacht angeblich in einem kurdischen Terroristenlager verbracht, ich weiß nicht so genau, was ich von ihm halten soll. 20 Jahre alt und laut eigener Aussage noch nie selbst eine Teller abgespült, sein Zimmer aufgeräumt oder auch nur ein Staubtuch angefasst. Ich bin echt gespannt, wie er sich schlagen wird!
Endlich kommt der Zug, am bahnhof werden wir von einer netten jungen Belgierin abgeholt. Wie sich herausstellt waren noch 2 andere Campteilnehmer in unserem Zug, Marketa aus Tschechien und Raphael aus Frankreich.

Unser Heim für 2 Wochen

Marketa ist schon zum dritten Mal hier und unterhält sich mit Elisabeth, der Belgierin, über das Camp. Wenn die schon zum dritten Mal hier ist, dann kann's ja nicht so übel sein!
Die Belgierin stellt sich als Ehefrau des Hofbesitzers Stefano Fassone heraus, ehemalige Freiwillige (EVS, haha) und eben dageblieben. Stefano ist deutlich älter als sie, ein kleiner Italiener mit einem Bauchansatz, dunkle Haut und Haare und damit der totale optische Gegensatz zu seiner Liebsten, die mindestens 1,80 groß, unglaublich dünn, dunkelblond und hellhäutig ist. Die beiden sieht man nicht so oft neben einander stehen, warum nur, haha, es sieht einfach zu witzig aus.
Bei der Ankunft treffen wir die anderen Campteilnehmer, eine ganze Menge dieses Mal, die meisten von ihnen schon eine Woche dabei: Aus Mexiko Raúl und Dania, aus Boston der gebürtige Franzose Victor, noch ein Franzose (der wie alle Franzosen, die ich hier kennen lerne, aus der Nähe von Nantes kommt), Jonathan, außerdem Hui aus Taiwan, Van aus Hong Kong, Seungha aus Südkorea, Rasto aus der Slowakei, John und Doug aus Great Britain, Ludowig aus Belgien, Eva aus Deutschland (aber zur Zeit wohnhaft in Italien) und am nächsten Tag kam noch das mexikanische Pärchen Leslie und Daniel dazu, einige Tage später noch Evas italienischer Freund Marcello.
Zusammen mit Elisabeth und Stefano und Elisabeth also eine ziemlich große Gruppe.
Den ersten Nachmittag verbrachten wir erstmal mit Gelände erkunden: Die Farm liegt in Mompeo, etwa 50 km von Rom entfernt in den Bergen, total schwer zugänglich (arme Stoßdämpfer) über winzige Straßen mit Drehwurmgarantie und mit einem unglaublichen Blick. Stefano hat hier nach und nach immer mehr Olivenhaine gekauft, kleine Wiesen, die er auf 100%ig ökologische Art und Weise bestellt, keine Maschinen (außern einem witzigen Olivenbaumzweig-Schüttler, haha), alles von Hand. Wir gewannen einen Einblick in diese Art von Olivenernte: Die Bäume werden mit Netzen umlegt, dann die Oliven mit kleinen Spielzeugharken leergekämmt bzw. eben mit besagter Maschine geerntet. Ganz witzig an sich, aber nach ein paar Tagen schon ein bisschen eintönig.

Rasto und Hui in Mompeo

Der Abend verlief eher ruhig, alle waren müde. Der Tagesplan hatte es nämlich ganz schön in sich: halb 7 aufstehen, Frühstück, zum Olivenhain laufen (etwa 1/2 Stunde größtenteils bergauf), arbeiten bis 1, Mittagessen und etwas chillen, so um 2, halb 3 weitermachen bis halb 5, dann meistens noch nach Mompeo, also in die "City" (ein paar hundert Einwohner), eine süße kleine italienische Stadt auf dem Berg, also wieder berghooooooch (manchmal nahm und ein Einheimischer im Auto mit, zB einmal mit 7 Mädels, der war ziemlich stolz, hat uns auf dem bevölkerten Parkplatz rausgelassen mit stolzgeschwellter Brust). In der netten kleinen (einzigen) Bar blieben wir meistens bis halb 8, 8 bei Cappuccino und anschließend Bier, denn um 8 sollte es Abendessen geben. Um das Essen kümmerte sich Elisabeth plus jeweils 2 Freiwillige, die Küchendienst leisteten. Nightlife war meinstens nicht angesagt, alle waren fertig von der harten Arbeit, meistens lasen wir nur noch.
Die Abende in der Bar waren dafür immer ziemlich super, ich saß meistens mit Rasto, Eva und Jonathan draußen, wir unterhielten uns mit Einheimischen auf italienisch, spanisch und englisch (Eva hat ziemlich schnell ziemlich gut italienisch gelernt und Jonathan ist zweisprachig französisch-italienisch aufgewachsen und war 6 Monate EVSler auf Stefanos Farm), aber wir verstanden uns alle untereinander ziemlich gut.

Hui und Rasto in der Bar

Nach ein paar Tagen war das Olivenpflücken wie gesagt nicht mehr so spannend. Die andere Gruppe fackelte mit Stefano ein Feld ab, auf dem Olivenbäume standen. Ein bisschen salopp ausgedrückt; was ich meine, ist, dass sie die leicht entflammbare Büsche verbrannten, die auf dem Feld wuchsen, um im Sommer ein Feuer zu vermeiden, bei dem die Bäume, Tiere und möglicherweise auch Menschen zu Schaden kommen würden. Das war eine gefährliche und harte Arbeit; mann musste die Büsche zuerst schneiden, dann geregelt abbrennen vorher das geschnittene Gras so zusammenharken, dass das Feuer nicht überspringen konnte und anschließend mit einer Spitzhacke die Wurzeln entfernen. Das war schon ein bisschen spannender als die Oliven... Wir pflückten etwa 14 Körbe voll pro Tag, Tendenz steigend, aber eben nicht sonderlich aufregend. Ich unterhielt mich vor allem mit Eva, Leslie (auf Spanisch, juhu) und Hui, Elisabeth und Jonathan arbeiteten meist schweigend oder redeten auf italienisch miteinander. Sie kannten sich halt schon länger, Jonathan besuchte die Farm regelmäßig für mehrere Monate.
Eines Mittags wurden wir plötzlich alle zum Feld gerufen, auf dem die anderen kokelten: Das Feuer war außer Kontrolle geraten, wir brachten Unmengen an Wasser rüber, bis schließlich alles wieder unter Kontrolle war. Action deluxe; besonders Raphael hatte sich fast in die Hosen gemacht.

Burn, burn!

Endlich wurden wir anderen auch vom Olivenpflücken erlöst und durften auf dem Feld helfen. Wir harkten das Heu zusammen, riesige Massen, und kontrollierten das Feuer. Die Hitze und der Rauch machte uns ganz schön zu schaffen. Es war sowieso schon ziemlich warm: 25 Grad, jeden Tag Sonne, ein super Spätsommer im Spätherbst, die Sommersprossen sprossen (haha), auf Englisch übrigens freckles, wie ich lernte. In der Mittagspause lagen wir auch immer auf dem Rasen in der Sonne, geil.

Fliegen! (In Mompeo)

Wir hatten zwei freie Tage nach der ersten Arbeitswoche. Viele fuhren nach Rom, es liegt schließlich in der Nähe. Ich blieb mit einigen anderen da und Stefano zeigte uns die Umgebung. Am ersten Tag wanderten wir durch die Gole del Farfa, ein Wanderweg, der 4 verschiedene Farmen wie die von Stefano verbindet. Das ganze nennt sich Agroturismus; die Leute können 4 Tage wandern, Tagesziel jeweils eine der Farmen, alles ökologisch, dort konnten sie essen und schlafen für relativ wenig Geld, um die 20 Euro pro Nacht, natürlich auch keine Luxushotels, aber dafür mitten in der Natur. Stefano zeigte uns eine alte römische Wassermühle, die er auf seinem gekauften Land entdeckt hatte, sowie eine Brücke aus der Römerzeit und antike Wassersysteme, die zur Mühle gehörten. Außerdem erzählte er uns seine Geschichte: Er hatte wohl unter Depressionen gelitten, auch wenn er das so nicht sagte, sein Studium hingeschmissen und war zum Haus seines Opas gefahren, das in der Nähe von Mompeo lag. Er hatte sich mit der Gegend beschäftigt und sich auf die Suche nach Überresten der römischen Kultur gemacht. Er hatte mit einem Freund zusammen angefangen, Land zu kaufen und sich eine eigene Existenz aufzubauen. Er hatte sogar eine alte römische Villa gefunden, über der er sein Haus errichtete. Das Ganze war nur möglich mit der Hilfe von Workcamps wie unserem: Wir waren schon Nummer 45!!! Trotzdem wird ihn das nie zu einem reichen Mann machen. Der Aggroturismo wirft nicht sonderlich viel ab, außerdem nutzt er sein Haus auch als Restaurant für Wanderer und verkauft das Olivenöl, aber wie man so hört, lebt er größtenteils von dem, was ihm sein Vater zukommen lässt. Ich war jedenfalls beeindruckt von so viel Pioniergeist und dieser Willenskraft und fühlte mich gut, hier zu sein und bestärkt darin, ihn mit allen Kräften zu unterstützen.
Wir wanderten den Weg entlang, der auf der Wanderskala nur eine Stufe unter "alpin" lag, gefährlich, aber ein WAHNSINNSBLICK!!

Wahnsinnsaussicht und römische Brücke


Der Rückweg bergauf machte uns total fertig, außer Victor, der in den Staaten für seine Highschool und Universität gelaufen war.
Abends chillten wir wieder, ich unterhielt mich lange mit dem eher zurückhaltenden Jonathan, der richtig aufblühte (ich habe ein Talent entdeckt, von dem ich vielleicht nicht sooo viel habe, aber immerhin: schüchterne Franzosen zum reden zu bringen - siehe Benjamin). Er erzählte mir von seinen Plänen und was er schon so alles gemacht hatte, er war in Afrika gewesen und noch nicht so ganz sicher, wohin ihn das Leben bringen würde.
Am nächsten Tag standen wir früh auf, um mit Stefano in ein nahegelegenes Gebirge zu fahren, wo er einige Wanderpfäde kontrollieren und markieren musste. Wir fuhren in seinem Jeep mit, zu 5. auf der Ladefläche hinten, riesig!! Außer, dass Rasto die ganze Zeit rumweinte, weil angeblich sein empfindliches Hinterteil nicht dafür geschaffen sei. Der Weg dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Etwa an der Hälfte holten uns plötzlich die Carabinieri ein, die Militärpolizei. Die hielten uns für illegale Einwanderer, Rumänen oder so, haha. Ich hätte gerne was aus Rumänisch zu denen gesagt, bekam das ganze aber erst später erzählt. Stefano machte auf Schuldbewusst, musste nichtmal Strafe zahlen am Ende (angeblich wegen der sweeten Signorinas) und wir mussten ein Stückchen laufen. Nach ein paar Kilometern sammelte uns Stefano aber wieder ein, wir fuhren eine Bergstraße hoch, da gibts sicherlich keine Carabinieri. Wir Mädels saßen hinten und schliefen fast ein auf dem Berg aus Jacken und Rucksäcken.
Angekommen liefen wir ein Stück den Wald entlang und halfen Stefano, die Markierungspunkte zu finden. Dann kletterten wir einen Berg hoch, riesige Aussicht, machten witzige Fotos und genossen die Sonne. Wieder runter, zurück, einen anderen riiiesigen Berg hoch, oben dann Lunch. Im Wind war es ganz schön kalt und die Luft wurde dünner; wir waren über 2000 Meter hoch.

Tagesausflug: Ich bin Cupido!


Peace!

Anschließend konnten wir uns aussuchen, ob wir gemeinsam mit Stefano mit dem Auto fahren wollten oder noch ein Stück durch den Wald laufen. Ich schloss mich der Laufgruppe an, und mit Victor an der Spitze rannten wir mehr los als dass wir gingen, echt anstrengend. Plötzlich standen wir auf einer Lichtung und ich dachte, ich sei wieder in Brochterbeck. Es sah haargenau so aus wie im Teutoburger Wald, in der Nähe vom Hotel Kerssen. Auch der folgende Weg erinnerte ziemlich an die Dörenther Klippen; Max fehlte!
Jonathan fragte mich eine seltsame Frage, die ich damals nicht verstand und ernsthaft mit ihm diskutierte, bis mir später die Franzosen erzählten, das sei ein romantischer Anmachspruch, haha: "Welche Sprache sprechen eigentlich Engel deiner Meinung nach?".
Äh, ja gut, hab ich echt nicht gerafft, obwohl ich Jonathan eigentlich echt wohl mochte, naja, Pech gehabt.

Der Blick!! - Raúl begraben

Wir trafen die anderen und John, der über 60 ist und die freien Tage für eine Wanderung zum nächsten Hof auf der Route genutzt hatte und den wir jetzt hier abholten. Er und Stefano kannten sich schon lange, John war auch schon zum 3. oder 4. mal da.
Wir fuhren also zurück, abends kamen die anderen zurück, wir erzählten uns gegenseitig alles.
Die Mexikanische Fraktion organisierte am folgenden Abend eine mexikanische Party; sie führten landestypische Kleidung, Musik, Gerichte und Tänze vor, es gab Tequila und Bier und alle waren super drauf. Raúl und Marketa knutschten, als ihre Zimmerkollegin redeten wir hinterher noch darüber wie zwei Schullandheim-Mädchen. Marketa ist 31, das denkt man echt nicht, 24 maximal! So alt ist übrigens Raúl, haha...
Der spannenste Arbeitstag lag in der zweiten Woche: Wir fuhren ein Stück raus mit dem Auto, um einen Wanderpfad auszubessern, der total zugewachsen war. Gras schneiden also, zusammenharken, Büsche aus dem Boden hacken usw usw. Die Sonne war auf unserer Seite, neben uns ragte das schöne Dorf Castelnuovo del Farfa hinauf, zu dem wir am Morgen auch hingelaufen waren, von da aus holte uns Stefano ab, und rechts von uns auf einem Berg lag eine alte Burgruine. Wir arbeiteten den ganze Tag, mittags setzten wir uns ans obere Ende unseres Arbeitsfeldes und aßen Nudelsalat, die Stimmung war super.
Raúl, Victor und Daniel brachten immer wieder Metallteile nach unten und jedesmal machte mir Raúl irgendein Kompliment auf spanisch, nannte mich seine Prinzessin usw. Ich fand das ganz witzig, hoffte nur, dass Marketa das nicht mitbekommen würde, weil die beiden sowas wie ein Workcamp-Pärchen geworden waren.
Nach dem Ende der Arbeit kletterten wir den Berg hoch zur Burg. Sie war nie fertiggestellt worden, denn vorher hatten Barbaren sie angegriffen und erheblichen Schaden angerichtet. Der Blick nach dem schweren Aufstieg war unfassbar, wir konnten uns gar nicht sattsehen. Die Sonne stand kurz vorm Untergang, das Licht, die umliegenden Dörfer auf dem Berggipfeln, unser Weg, den wir aus der Ferne wie eine Ameisenstraße erkennen konnten... Ich glaube, wir fühlten uns alle gemeinsam glücklich und entspannt.

Die Ruine auf dem Hügel


Stumme Bewunderung

Zurück unten machten wir uns auf den Weg zum Kloster in der Nähe, wo wir uns alle gemeinsam treffen wollten. Ich unterhielt mich mit Raúl, erzählte ihm von Couchsurfing, das er gar nicht kannte, und er war sofort total begeistert. Es ging auch weiter mit der Anmach-Tour vom Nachmittag: Er erzählte mir, wenn ich spanisch spreche, könne man in mein Herz sehen, und da drin sieht es schön aus, es wurde immer bunter, Liebeserklärung deluxe, wunderschöne Worte-
-ohne Bedeutung, ich kannte diese Masche schon aus Argentinien und finde es wirklich traurig, man wird ganz schön desillusioniert von wegen Traumprinz. Es war mir auch ein bisschen peinlich, weil Victor irgendwo vor uns lief, der spanisch zwar nicht gut spricht, aber dafür versteht.
Schließlich kamen wir am Ende des Waldes an, wo wir Stefano trafen, der ziemlich sauer waren, weil wir die nicht auf die anderen gewartet hatten, die jetzt verschollen waren. Wir hatten ihnen gesagt, wir müssten gehen, weil es sonst zu dunkel würde, um durch den Wald zu gehen, aber sie hatten weiter Fotos gemacht. Stefano gabelte sie schließlich per Auto auf.
Abends aßen wir bei "Cicio's" Pizza, die Mexikaner fuhren am nächsten Tag, Abschied feiern, Fotos machen (Victor lachte sich halbtot, als Raúl mich gar nicht mehr losließ).
Ich machte ihm klar, dass ich an diesem Abend in meinem eigenen Bett schlafen würde und ihm seine ganze Story nicht abkaufte. Er meinte, er sei nicht wie die anderen (selbst DAS klingt auf spanisch schöner: "No soy como los demás!"). Auf dem Rückweg hakte ich mich rechts bei ihm und links bei Jonathan unter, mehr als einen Gute-Nacht-Wangenkuss bekam Raúl aber nicht von mir. Dafür versprach ich ihm, in zu besuchen: Er arbeitet in einem Hotel in Acapulco und nächstes Jahr ist das 200jährige Jubiläum der mexikanischen Unanhängigkeit, außerdem wollte ich unbedingt Leslie besuchen!

Amicaaaa- Die Barfrau aus Mompeo

Am nächsten Tag machten wir ein Feuer oben auf der "Brennplantage", Victor erzählte uns seltsame Theorien seines Bruders, zB von Flugzeugen: Wenn man am Himmel diese weißen Streifen von Flugzeugen sieht, sind das seiner Meinung nach Chemikalien, die die Menschen ruhig stellen sollen, sodass sie gehorchen und sich nicht gegen den Staat auflehnen. Deshalb seien die Europäer und Amerikaner verhältnismäßig "kalt", emotionslos- in ärmeren Ländern wie Mexiko wird das Zeug nicht benutzt, und tatsächlich kannte Raúl diese Streifen nicht. Dann kamen noch viel wirrere Theorien; die Welt wird angeblich heimlich von riesigen Insekten beherrscht, die ihre Gestalt wandeln können, dazu gehört zB auch die englische Königsfamilie, die deshalb auch grünes Blut hat und die Sonne meidet (in England ja nicht so schwer, haha).

Kaktusfeigen, juhu (:

Der Exkurs wurde unterbrochen durch eine Diskussion mit Ludowig. Er, Alper und Raphael waren des öfteren durch demonstratives Nichtstun negativ aufgefallen und deshalb nicht gerade beliebt in der Gruppe. Das ist eben das besondere an Workcamps- du wirst akzeptiert und geschätzt, egal wie du bist, solange du ein Teamplayer bist. Die drei hatten das allerdings nicht so raus. Ludowig ging noch einen Schritt weiter und ließ den Einzelkämpfer raushängen, saß meistens mit einem Grashalm im Mund auf dem Boden, während alle arbeiteten. Er erzählte allen, er spiele in einer Rammstein-Coverband, in Wirklichkeit hatte er bei dieser aber nur einen Nachtmittag auf einem Campuskonzert ausgeholfen. Er bezeichnete sich selbst als schüchtern, ich bezeichne ihn als egozentrisch und paranoid. Er bezog alle Kommentare und Äußerungen auf sich, lud mich nach Belgien ein, wo er mir angeblich billig Drogen und Prostituierte besorgen könne (hallo!?) und hatte das gesamte letzte Jahr bei seinen Eltern verbracht, PlayStation gezockt und sich das Ganze vom Staat bezahlen lassen, ca 700 Euro pro Monat, nett. Er kam als Nichtraucher ins Camp und wurde dann zum Kettenraucher, nachdem er sich mit Alper und Raphael angefreundet hatte, die beide rauchten. Aber ich glaube, selbst die fanden ihn ein bisschen gruselig.
Gerade auf mich schien er es abgesehen zu haben, was absurde Diskussionen anging. Ich hatte für das Camp den Namen "Ada" angenommen, weil "Frauke" wohl zu schwierig war, im letzten Workcamp hat das kaum einer hinbekommen. Ich hatte aber allen gesagt, wie ich wirklich hieß und dass ich mich nur Ada rufen ließ, weil es einfacher war. Es war eine witzige Erfahrung für mich, aber auf Ludowigs Reaktion war ich nicht gefasst gewesen.
Er warf mir zuerst vor, mich selbst zu verleugnen, dann sagte er, ich müsse mir einen neuen Facebook-Account anlegen, da Ada und Frauke zwei verschiedene Personen und Persönlichkeiten seien und er sagte er wolle sich auch einen zweiten Namen anlegen, damit er quasi einen Blankoscheck bei der Polizei habe. Als ich fragte, welchen Namen er denn annehmen wolle, sagte er, das könne er mir natürlich nicht sagen. Scheiße, der Typ war so fertig.
Mein Abschied kam viel zu früh, mir waren einige der Leute echt ans Herz gewachsen, besonders Ewa und Jonathan und Leslie und Hui. Einige versprachen mir, mich besuchen zu kommen, bisher hat sich dementsprechend noch keiner gemeldet, schade. Aber es war jedenfalls eine super Zeit mit einer super Gruppe, mit Stefano als Maskottchen und Antrieb, ein fordernder Boss aber auch ständig albern, bekloppte Witze deluxe und bildliche Beschreibungen plus sein Lieblingsword "Cazzo", quasi "Scheiße", wörtlich aber "Penis"- so fluchen die Italiener halt.
Ich hatte noch einen halben Tag in Rom bevor ich zum Flughafen musste, ließ meinen Rucksack bei Marcello und lief ein bisschen in der Nähe des Bahnhofes herum, fand einen coolen Buchladen, trank den guten italienischen Kaffee (den ich sooo sehr vermisse) und später noch einen Espresso mit Marcello und seinem Mitbewohner, bevor ich mich aufmachte-
-zu einem Alptraum! Fiumiccino Airport ist riesig und vollgestopft mit Menschen, alles dauert ewig, selbst die Gepäckkontrolle hält dich mindestens eine halbe Stunde auf. Endlich im Flugzeug war ich total genervt und gestresst...
In Poznan (Posen), Polen, meinem Ziel, sollte mich Mateusz abholen, ein Student, den ich über Couchsurfing kennen gelernt hatte. Leider verpasste ich den Bus, den er mir gesagt hatte, weil mein Flug Verspätung hatte. Die Frau von der Touristeninfo half mir und riet mir einen anderen Bus ins Zentrum. Der Busfahrer sprach- Polnisch, haha, naja, ich kriegte dann aber doch ein Ticket und am Bahnhof wartete tatsächlich Matis auf mich. Wir fuhren zu ihm, unterhielten uns noch ein bisschen, er war sehr nett und wohnte in einer tollen Wohnung am Stadtzentrum. Irgednwann fielen mir die Augen zu und er zog zu seinem Mitbewohner, um mir sein Zimmer zu überlassen.
Ich wachte früh auf und ging zu Tesco, einem nahen Supermarkt, stöberte durch polnische Spezialitäten und kaufte eine Flasche Spezialwodka mit Büffelgras für Heike und Obi (meine Tante und meinen Cousin), außerdem einen interessanten Wein, den ich Pia in Berlin mitbringen wollte, die meine nächste "Station" war.
Ich machte mir zum Frühstück Müsli mit Obst und Joghurt, Matis aß Eier und Speck (von denen er mir auch anbot, aber ich steh mehr auf Müsli) und wir sahen uns eine witzige amerikanische Serie an, auf Englisch mit polnischen Untertiteln.


Poznan/Posen

Den Nachmittag verbrachten wir mit seinen Freunden, die aus Warschau gekommen waren. Sie waren super nett und sprachen für mich Englisch untereinander. Abends feierte eine von ihnen Geburtstag, ich war eingeladen, auf einer Party mit 30 Polen. Aber ich trank mir ein bisschen Mut an mit polnischem Wodka und Bier und quatschte einfach alle an, super nette Leute. Irgendwann kam Matis zu mir und meinte ganz beeindruckt "I think you are the most sociable person I have ever met" (kann ich so schlecht übersetzten, klingt scheiße). Er meinte auch, ich könne gerne länger bleiben, wenn ich wolle und er würde sich freuen usw. Ich freute mich natürlich tierisch, wir verstanden uns einfach von Anfang an super und haben immer noch Kontakt, gegenseitiger Besuch geplant.
Der Abend war noch super, wir tanzten alle zusammen polnische Tänze und sangen dazu (naja, die anderen halt), am Ende Paartanz, ich tanzte mit einem Typen, der es noch weniger drauf hatte als ich, also machten wir immer kompliziert aussehende Drehungen, damit man es nicht so merkte, haha.
Am nächsten Morgen musste ich früh raus um meinen Zug nach Berlin zu erwischen. Die anderen schliefen noch, ein Freund von Matis auf dem Fußboden und eine der beiden Ewas neben mir, aber ich schaffte es, keinen von beiden aufzuwecken.
In der Tram kaufte ich mir ordnungsgemäß ein Ticket- am Vortag, bei allerersten mal polnische Tram wurde ich erwischt und musste direkt 100 Zloty latzen, will sagen 25 Euro. Naja, besser als die 70 in Deutschland, ich hab meine Lektion jedenfalls gelernt.
Im Zug wurde ich von einem betrunkenen Typen angequatscht, weil ich dämlich zurückgewinkt habe, als ich mir zugewunken hat- ich dachte, ich kenne den, ich kann mir so schlecht Gesichter merken... Der wurde aber bei der Fahrscheinkontrolle ziemlich schnell rausgeschmissen. Eine Polin, die perfekt Deutsch sprach, redete mit mir und eine ältere Frau, die mit uns im Abteil saß, stellte plötzlich fest, dass ihre Tochter sie im falschen Bahnhof abholen wollte, sie keinen einzigen Euro besaß und kein Wort Deutsch sprach. Naja, die Polin versuchte ihr ein bisschen zu helfen, aber so richtig Bock schien die darauf nicht zu haben. Mir tat sie leid, aber ich konnte leider nichts tun.

Krasse Vögel


Ewa und ihr Freund


Matis, nicht sehr gut getroffen

In Berlin nahm ich die U-Bahn zu Pias Haus und freute mich tierisch, als sie endlich wieder vor mir stand! Wir hatten uns im Sommer in Canet kennen gelernt, wo ich für RUF gearbeitet hatte und uns sofort super verstanden. Als sie von Freiburg nach Berlin zog und mir eine Einladung zur Einweihnungsparty schickte, wusste ich: Nächstes Ziel=Berlin! Die Party verpasste ich zwar, aber die drei Tage mit ihr waren trotzdem super, wir tranken abends zusammen Wein und kochten, tagsüber arbeitete sie und ich sah mir Berlin an- es war schon ein Jahr her seit dem letzten Mal. Außerdem musste ich Mam ja ein bisschen was zeigen- wir würden eine Woche hier zusammen verbringen und es war ihr erstes Mal in der Hauptstadt.
Mit Pias Mitbewohner Jupp, der im Sommer mein "Boss" gewesen war, verstand ich mich auch super. Er ist ungefähr Mr. Brain, kann quasi die Geschichte seit dem Urknall bis 2012 komplett erzählen. Zusammen verarschten wir Pia ein bisschen; er sagte, der polnische Zloty sei so wenig wert, dass man ihn in der Bank eimerweise bekäme. Ich raffte erstmal nix, war dann aber doch schnell genug, und etwa 5 Minuten lang glaubte sie uns. In Wirklichkeit ist 1 Euro gerade mal 4 Zloty und die Währung ist relativ stabil. Witzig wars aber.
In Berlin insgesamt kam doch ein kleiner Kulturschock auf- wegen der Sprache! Auf einmal war wieder so viel Input da, weil man einfach alles verstand. Im Bus meine Muttersprache zu hören war irgendwie ungaublich seltsam.
Am Dienstag, als meine Ma ankommen sollte, brachte ich meinen Rucksack in das Hostel, das ich in Tiergarten für uns gebucht hatte. Man musste die Schuhe ausziehen, alles ein bisschen Hippie, geil. David's Cosy Little Backpacker's- ein bisschen schmuddelig, aber definitiv gemütlich und gastfreundlich, empfehlenswert.
Mams Zug kam doch nicht am Hauptbahnhof an wegen irgednwelcher Umbauarbeitet, leider stand er trotzdem auf der Ankunftstafel, aber schließlich schaffte sie es zum Hbf und wir fielen uns nach 5 Monaten wieder um den Hals.

Unter den Linden, Museumsviertel

Im Hostel brachte uns ein junger Mexikaner in unser Doppelzimmer, das außerhalb des Hostels in einem Mitshaus lag- wir teilten uns eine ganz normale möbilierte Wohnung mit einem spanischen Pärchen, wie geil ist das denn? Dabei hatten wir nur ein Hostel gebucht...
Den ersten Abend verbrachten wir in einem Restaurant, tranken Bier und unterhielten uns erstmal. Ich erzählte von meiner Reise, sie von zu Hause, das war schön.



Im Berliner Zoo: Nilpferd, Knut und der coolere Bär

Die Tage in Berlin verbrachten wir mit Sightseeing; Mam gefiel Schöneberg am besten, wir sahen uns das Brandenburger Tor an und Schloss Bellevue (von außen, haha), liefen viel rum, gingen ins Deutsche Historische Museum, auf den Markt, durch die Stadt, ein bisschen shoppen, Weihnachtsmärkte, manchmal einfach nur lesen, aßen am letzten Abend bei einem Mexikaner und betranken uns mit Cocktails. Einen Abend gingen wir ins Kino, da lief gerade ein Filmfestival "Around the World in 14 Films" und wir sahen uns den rumänischen Film "Hooked" an. Der Regisseur war selbst da und beantwortete Fragen, außerdem die Hauptdarstellerin, die im Film eine Prostituierte spielte.



Berlin: Dom, DDR-Museum an der Spree und Alexanderplatz

Sonntags ging ich mit Pia ins Zapata, einen Club in der Oranienburger Straße, sehr alternativ, viele witzige Leute aus der ganzen Welt. Wir tanzten mit verschiedenen Leuten aus Mexiko, Brasilien, Peru, Polen und trafen ein paar Engländer die für ein Manchester-Spiel nach Berlin gekommen waren (welch Klischee). Die Nacht war super, Dienstag vor meiner Abfahrt ging ich mit Pia und ihrer Johannitergruppe (sie macht ein FSJ bei denen) in einer Bar und sie versprach, mich zu besuchen, ich freu mich!
Ich nahm einen Nachtzug nach Dortmund, von dort morgens das Flugzeug nach Bukarest und den Bus nach Râmnicu Vâlcea. Ich freute mich riesig, alle wieder zu sehen, ging mit ihnen was trinken und eine kurze Zeit der Schlaflosigkeit begann, bevor wir gemeinsam unsere Winterreise antraten... Aber davon später ;)

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